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„Coyote Ugly?“ - Wir kommen!

Einen Starbucks- Kaffee später und wir haben die Entscheidung getroffen, dass Angebot des Job- Clubs fürs erste abzulehnen und auf andere, bessere Angebote zu warten.

Am darauf folgenden Mittwoch war es dann auch schon so weit, noch einmal setzten wir uns zu den zwei Job-Vermittlern an den Tisch und sprachen über künftige Angebote, bis Stephen (einer der Job- Vermittler) ein Anruf reinbekam und uns freudestrahlend folgendes Angebot unterbreitete:

Acht Wochen Country Pub; accomodation & food free und das Ganze für sechs Stunden Arbeit täglich, bei einem Wochenverdienst von 300 $.

Tja, nur wo war der verdammte Haken?

Ein kleiner, feiner fast untergegangener Fakt war, dass der Country Pub mitten im Nirgendwo liegen sollte. Weit, weit abgeschnitten von jeglicher Zivilisation, ohne Handynetz, Internet und unserem heißgeliebten Starbucks- Kaffee.

Skepsis kam auf, vor allem bei Frauke. Wieder und wieder stellte sie sich die Frage, ob es das wirklich wert war? Allein die Tatsache den Kontakt zu ihrer Familie zu verlieren machte sie sehr nachdenklich. Ich hingegen sah mich schon als neues „Coyote Ugly Girl“ inmitten der Pampa Bier an Trucker ausschenken. Für mich jedenfalls gehört das Outback zu Australien wie der Sand zur Wüste.

Unsere erste Outback- Erfahrung sollte folgen und das noch innerhalb der nächsten zwei Tage.

Durch Uneinigkeiten und kleinere Streitereien sowie Unsicherheiten, die von unseren Eltern ausgingen, zog sich die geplante Reise ins Landesinnere jedoch noch um eine Woche hin.

Kosten sollte uns der Spaß übrigens 150 $. Denn soviel war die Busfahrt nach Longreach, dem nächst größeren Ort wert. In dem Angebot des Job-Clubs war ebenfalls enthalten, dass wenn wir die vollen acht Wochen bleiben, uns ein Rückflug bezahlt werden würde von der Besitzerin des Coutry Pubs.

Mit dieser durfte ich im Übrigen ein kurzes Telefonat führen, da Stephen meinte ich könne so alle wichtigen Fragen, die wir hätten, direkt mit der Verantwortlichen klären. Da hing ich nun an der Strippe, am anderen Ende eine Frau mit einer erstaunlich lieben Stimme und einer sehr verständnisvollen Art. Gerechnet habe ich mit einem Drachen, einem Sklaventreiber oder schlimmer noch einer alten, griesgrämigen Frau. Zwar bilde ich mein Urteil nicht auf so oberflächliche Art und Weise, aber so eine Stimme kann schon einiges verraten. Dass dies alles jedoch nur Trug und Schauspiel war, konnten wir in diesem Moment nicht ahnen.

In der uns noch verbleibenden Woche, verbrachten wir viel Zeit mit Betty und Sandro, der mittlerweile auch nach Brisbane gekommen ist. Zusammen gingen wir in den nahe gelegenen Park und sonnten uns, shoppten ein wenig in der Stadt und feierten zusammen in der „Down Under Bar“. Hierbei lernten wir auch Magnus kennen.

Magnus- Ein wahrlich besonderer Name. Für mich speziell klang es wie eine schlechte Mischung aus ´Anus` und ´Magnum`. Das hab ich zumindest immer mit dem Namen verbunden und daher war Frauke und mir auch immer ein wenig zum Lachen zumute, wenn wir ihn gesehen haben, denn er wohnte ebenfalls im Base Backpackers.

By the way, ich möchte gar nicht wissen ob andere Leute genauso viel assoziieren wie ich…

Nach einer eher kurzen Partynacht im wohl ranzigsten Schuppen den die Nation je gesehen hat, schlief ich wie ein Baby in meinem Bett ein, bis vier neue Zimmergenossen in unser Zimmer einmarschierten. Rücksichtslos wie eh und je knallten sie das Licht an und unterhielten sich lauthals. Am nächsten Morgen stellten wir allerdings weitere, „fast schon sympathische Charakterzüge“, der mitten in der Nacht eingewanderten, Mädels fest.

Eine lästere über die andere, von Respekt und Akzeptanz keine Spur. Mit hochgezogenen Augenbrauen betrachte ich das ganze Herumgezicke, konnte mir beim „trotzigen aufs Bett setzen“ des einen Mädchens allerdings ein dummes Grinsen nicht verkneifen. Denn das Bett auf welches sie sich so selbstverständlich setzte und später auch legte, war nicht etwa das ihre, es gehörte Frauke, die es immer ganz penibel zusammennahm.

Getreu dem Motto: Stumpf ist Trumpf, chillte sich das Mädchen, welches von uns den Spitznamen „Stampfer“ bekam, auf Fraukes Bett und regte sich auch nicht als Frauke vom Bad wieder ins Zimmer kam.

Den erschrockenen und leicht aggressiven Blick von Frauke liebe und fürchte ich zugleich. Durch das ständige in mich hinein Gelache, habe ich schon erste Bauchmuskeln gespürt und konnte auch in dieser Situation nicht aufhören mich über alles lustig zu machen. Frauke hingegen stand immer noch mit kullerrunden Augen in der Tür und schlenderte dann zu mir ans Bett.

Weil wir beide eher schüchtern und zurückhaltend sind, haben wir vorerst nichts gesagt, stattdessen aber gelacht, denn auch die Mädels aus Köln haben die Sache als lustig empfunden.

Tja, das ist der kleine Nachteil, wenn man sein Bett unten hat. Jeder aber auch wirklich jeder setzt sich früher oder später drauf. Und das alles vor dem Hintergrund, dass das Bett vielleicht das einzig Private war, was wir hatten.