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Sydney City= Shitney City?

Wir haben etliche CV`s verschleudert, einen gescheiterten Jobversuch hinter uns und bereits ein vorläufiges Fazit unseres Aufenthalts in Sydney gezogen:

Shitney City ist eine Stadt der Oberflächlichkeiten, in der man die Business- Luft schnuppern darf.

Nichtsdestotrotz ist Sydney selbstverständlich eine gigantische Stadt, die eine zweite Chance verdient hatte. Wir hielten uns also bei der Jobsuche diesmal an einen Insider-Tipp von Backpackern und daher stand das Deutsche Lokal Löwenbräu auf unserer Zielscheibe.

Das Löwenbräu war ein, bei den bekannten The Rocks gelegenes, Restaurante der Altstadt Sydneys. Von dem aus man wunderschöne Ausblicke auf die Harbour Bridge und den Port Jackson werfen konnte. Gesagt wurde uns, dass dort vorzugsweise blonde, deutsche Mädchen für das Personal gesucht werden. Wir brachten die perfekten Voraussetzungen mit und waren noch zudem willig diesen Job anzunehmen. Nach einer kurzen Zugfahrt zum Circular Quay, die wir uns auch hätten sparen können, da wir den Weg immer zu Fuß laufen, stolperten wir weiter durch die Gegend. Mal wieder planlos.

Zwar hatten wir einen Stadtplan und fragten ab und an vorbeigehende Fußgänger nach dem berühmten Deutschen Lokal, doch fündig wurden wir erst nach zwei Stunden Suche. Dort angekommen wurden wir bereits am Eingang in der typisch bayrischen Kleidung, sprich von Männern in Lederhosen und Frauen im Dirndl, begrüßt. Zu unserer Verwunderung haben auch wirklich alle dort arbeitenden Leute Deutsch gesprochen. Ein wenig zurückhaltend taperten wir direkt zu dem Empfangstresen und  fragen nach dem Manager, der uns auf Englisch fragte was wir wollten. Wir schilderten ihm also unser Vorhaben, gaben ihm unsere Lebensläufe und stellten uns vor.

Das Gespräch wurde jedoch kurz unterbrochen und der Manager fing an sich plötzlich auf Deutsch mit uns zu verständigen. Ein wenig überrascht entgegneten wir: „Wir kommen ebenfalls aus Deutschland!“, es folgte ein eher abwertendes „na herzlichen Glückwunsch, habt ihr wenigstens Kugelschreiber und Unterlagen dabei?“ Leicht irritiert zückten wir auch unsere Arbeitszeugnisse und füllten die Bögen aus, die uns nach kurzer Zeit in die Hand gedrückt wurden.

Nach fast 45 weiteren Minuten haben wir diese vollständig ausgefüllt und quasi genau das erläutert was auch schon in unserem vorgefertigten Lebenslauf stand. Erneut suchten wir den Manager auf, der bereits dabei war weitere Bögen an andere Backpacker auszuteilen. Wir waren wohl nicht die einzigen die diesen Insider erhalten haben. Ein schnelles Überfliegen unserer Bögen warf bei dem Manager die Frage auf wie lange wir denn hier arbeiten könnten. Lässig aus der Hüfte und aufgrund anderer Bewerbungen antworteten wir (gelogener Weise); Sechs Monate.

Lächelnd blicke er uns an und erwiderte, er könne uns nicht annehmen, weil wir lediglich Backpacker wären die schnell weiterziehen würden. ´Alles klärchen`, dachten wir uns und vielen Dank für nichts. Ein wenig enttäuscht von der Dreistigkeit und der miesen Abfertigung verliefen wir aus dem Restaurante. Am meisten ärgerte uns, dass wir so viel Zeit dort verbracht haben und dass alles obwohl der Manager von vornherein wusste mit wem er es zu tun hatte.

Wahrlich genervt von diesem Jobinterview und dem schlechten, kalten Wetter in Sydney steuerten wir unser Hostel an und erzählten dem Rezeptionisten, der uns fragte wie unser Tag gewesen sei, was passiert ist. Netterweise hat dieser uns ein anders Jobinterview bei einer Agentur verschafft die sich „Entership“ nannte. Zwei Tage später liefen wir bei dem Termin auf und wurden pünktlich um 9.00 am empfangen. Was genau auf uns zukommen sollte wussten wir bis dato allerdings noch nicht, daher auch eine eher minimale Vorbereitung. Das nun folgende Jobinterview sollte, wie wir später bemerken würden, eines der lustigsten in unserer gesamten Auslandszeit werden.

Zuerst saßen wir in einem Empfangsraum, in hochgeschlossener, dezenter Bekleidung und füllten einen Fragebogen aus. Dieser enthielt unter anderem Fragen zu unseren persönlichen Verhaltensweisen, wie auch Fragen zu unseren Stärken und Schwächen. Nach 15 Minuten wurden wir dann in eine Art Konferenzraum geholt und ein, im Anzug gekleideter, Mann begrüßte uns. Er  begann sofort (zu unserer Erleichterung) das Unternehmen vorzustellen. Es handelte sich um einen Job als Telefonistin, der gute Englischkenntnisse voraussetzte und ein Probetraining auf der Straße. Natürlich um zu testen wie offen wir auf die Leute zugehen könnten.

Alles hörte sich sehr professionell an. Nachdem Vorstellen unserer zukünftigen Tätigkeiten fragte er uns einige Dinge zu unserer Person. Dabei kam auch die Frage auf, welches unsere Stärken seinen. Frauke war eigentlich im gesamten Gespräch diejenige von uns beiden die überhaupt etwas gesagt hat, denn wir haben uns von den ganzen Anzugträgern und „wichtig“ aussehenden Leuten etwas einschüchtern lassen. Was mich betrifft zumindest.

Von dem Gespräch hat circa zu 85 % nur der Interviewer gesprochen. Daher kam der nun folgende Satz, der mir noch heute 1a in den Ohren liegt, unglaublich lustig vor. Denn zu der Frage was für Stärken wir denn hätten, antwortete Frauke lässig: „Well, we like to talk to people!“ In diesem Moment konnte ich, unprofessioneller Weise, mein Lachen nicht mehr zurückhalten und prustete los. Mit hochrotem Kopf und der wohl größten Blamage am heutigen Tag wurde das Interview mit einem „thank you for comming!“, beendet oder abgebrochen, je nach dem.

Der Satz war aber auch einfach zu lustig, zudem er mir völlig paradox zum Rest des Gespräches erschien, denn in dem konnte man erkennen, dass wir nun wirklich nicht gern mit Fremden offen sprechen. Geendet ist das Ganze allerdings, muss man dazu sagen, noch in einer kleinen Streiterei zwischen Frauke und mir aufgrund meiner bescheuerten Lach-Aktion. Gewinner waren wir nun wirklich nicht, aber immerhin eine Erfahrung reicher.