Karrieresprung- Vom „Coyote Ugly Girl“ zur Farmerin
Unsere zweitägige Arbeitsphase soll ein Ende gefunden haben. Nach den Grübeleien der letzten paar Tage, wobei das Wörtchen ´paar` hierbei sehr ernst genommen werden sollte, haben wir uns für die verfrühte Abreise entschieden.
Sehr entschlossen liefen wir am Morgen zu den beiden irischen Mädchen in den Pub und setzten uns zu ihnen an den Frühstückstisch mit dem Vorhaben ihnen nun „reinen Wein“ einzuschenken.
Um das Gespräch sinngemäß wiederzugeben haben wir grob zusammengefasst gesagt, dass wir der Arbeit nicht fähig seinen und uns unbeholfen fühlen würden. Daraufhin entgegneten sie uns allerdings, dass aller Anfang schwer sei und wir uns sicher eingewöhnen würden.
Doch unsere Entscheidung stand bereits fest und wir waren uns sehr sicher zu gehen.
Schweigend saßen wir noch eine Weile am Tisch, fast so als gäbe es kein Problem oder als hätte es das klärende Gespräch von eben nicht gegeben. Nochmals ergriffen wir die Initiative und versuchten klar zu machen, dass wir am liebsten noch heute den Ort verlassen würden.
Wir fühlten uns schlecht.
Würden wir die Iren jetzt etwa hängen lassen? Oder wird der Job- Vermittler aus Brisbane wohl Ärger bekommen, weil er zwei so unfähige Mädchen hierher geschickt hat?
Fragen über Fragen.
Ich schlug Frauke vor den Tisch nun zu verlassen, doch schnell wendete sich das Blatt und die beiden Iren zeigten endlich Reaktion. Sie fragten uns ob wir die Wäsche nicht noch machen könnten und wann wir denn genau gehen wollen.
Nach erneuter Rechtfertigung unserer Pläne, hingen wir die Wäsche auf und nahmen dann zu zweit unser Frühstück ein, während wir das Gespräch nochmals Revue passieren ließen.
Ich konnte die Glühbirne über unseren Köpfen fast schon leuchten sehen, so tolle Ideen hatten wir hier wegzukommen.
Doch das war leichter gesagt als getan. Schnell hasteten wir zu dem Info-Point des Örtchens und informierten und über mögliche Mitfahrgelegenheiten, wie etwa im Postwagen oder zusammengepfercht mit Rindern und andrem Vieh auf den Cattle- Trucks. Uns wurde der Tipp gegeben uns nach einem Mann mit einem blauen Karohemd umzugucken.
Freudestrahlend und mit neuer Hoffnung, hier doch noch wegzukommen, liefen wir zurück zum Pub um nach dem Mann zu suchen. Wir haben ihn jedoch nirgends finden können und das war sehr verwunderlich, denn so viele Versteckmöglichkeiten gab es mitten in der Wüste einfach nicht.
Als wir wieder am Infostand angekommen waren, um von unserem Misserfolg zu berichten, liefen uns auch noch zwei andere Frauen (mittleren Alters) über den Weg und wir erzählten allen von den schlechten Bedingungen denen wir ausgeliefert waren und damit brodelte die Gerüchte- Küche erst so richtig.
Scheinbar hatte die Pub Besitzerin auch bei den Leuten, die hier in der Umgebung säßhaft waren, keinen guten Ruf, sie soll sogar sehr sagen wir mal „nicht so humane Seiten“ an sich haben.
Weil eine der Frauen noch einen kleinen Labradorwelpen bei sich hatte, sind wir vor die Tür gegangen, damit der Hund kurz sein Geschäft verrichten konnte. Wir tollten eine Weile mit dem Hund, während wir schon langsam schlechte Laune bekamen, weil das mit dem geplanten Ausbruch nichts werden sollte.
Aus dem Nichts heraus fragte uns dann eine der Frauen, ob wir nicht kochen könnten?
Ein wenig verdutzt antwortete ich etwas zögerlich, dass wir durchaus in der Lage wären den Kochlöffel zu schwingen.
Die Frau, deren Name Debby war, bot uns kurzerhand eine Fahrt nach Brisbane an. Sie erzählte uns, dass sie für einen Urlaub (und um ihr zweites Haus auf den neusten Stand zu bringen), an die Küste müsse und gerade auf dem Weg dorthin wäre.
Die äußerst sympathisch erscheinende Frau kam uns sehr gelegen. Wir waren überglücklich und holten unsere Sachen aus dem ´Haus des Grauens`.
Endlich weg vom „Einzahnigen Henker“, weg von den zickigen Iren und dem ekelerregenden Essen.
Wir luden alles in den Four- Wheel- Drive von Debby und begaben uns auf die vermeidliche Reise zurück nach Brisbane, dem Ort an dem wir Hoffnung auf einen „ersten Job“ hatten.
Nachdem wir bereits eine Stunde gefahren sind und ich meinen Platz wieder mal vorn gefunden habe, sprach mich Debby nochmals auf meine Kochkünste an. Der geheimnisvolle Grund dafür war, so sollte ich es bei mehrmaligem Fragen ihrerseits zumindest rausbekommen, der Aufenthalt auf einer Farm.
Debby erzählte mir, denn Frauke schlief bereits, sie müsse unbedingt an die Küste, weil sie auf das Haus und die Kinder Acht geben wollte. Sie unterbreitete mir daher das Angebot zwei Wochen auf ihrer Farm zu arbeiten und auf die Tiere aufzupassen, sowie ein bisschen für die dortigen Cowboys zu kochen.
Da saß ich nun, hellwach, ganz im Gegensatz zu Frauke, und musste schnell eine Entscheidung fällen, da es um die Weiterfahrt ging.
Entweder tiefer ins Landesinnere oder zurück nach Brisbane und dann wieder mit leeren Händen dazustehen.
Okay, ich entschied mich für ersteres.
Mein Bauchgefühl sagte mir es sei „das Richtige“. Folgedessen stimmte ich Debby`s Plänen zu und wir fuhren nach einem kleinen Richtungswechsel auf die vermeidliche Farm.
Mittlerweile war auch Frauke wieder dabei und ich erzählte ihr, mit leiser unsicherer Stimme, was ich schon wieder verzapft hatte. Nun saßen wir nicht nur bei einer uns völlig fremden Person im Auto, sondern wurden auch noch weiter in die Wüste geschickt.
Angst und Ungewissheit machen sich in diesem Moment bei Frauke breit, denn sie wusste ebenso wenig was auf uns zukommen würde wie ich, doch vertraute ich mehr in das Gute der Menschen. Zu Recht wie sich später herausstellen sollte.
Mit flauem Gefühl in der Magengegend fuhren wir also weitere fünf Stunden Richtung Landesinnere, nach Curravilla.

New South Wales
Outback


