Brisbane Valley - Veranda: Tiefer konnten wir echt nicht sinken!
Weil wir so wenig Zeit wie möglich in dem Hostel des Grauens verbringen wollten, versuchten wir unsere Zeit in der Stadt zu verbringen oder uns mit alten Bekannten zu treffen.
In letzter Verzweiflung und nach ca. zwei Stunden anstehen und warten bis eine Dusche frei geworden ist, rief ich Betty an, um ein Treffen zu vereinbaren. Betty war mittlerweile auch in Brisbane angekommen und hat sich in ein Hostel, in Stadtnähe eingebucht. Schnell versuchte ich Betty am Telefon all die Emotionen wiederzugeben die Frauke und ich noch am Abend zuvor erleben mussten. Es folgte ein schallendes Lachen am anderen Ende des Hörers, aber was war auch anderes zu erwarten, denn für Außenstehende musste Fraukes und mein Reiseleben äußerst amüsant sein.
Fünf Minuten später war ein Treffen am Coles, in der Fußgängerzone Brissies, vereinbart.
Wir plauderten eine Weile angeregt und freuten uns des Wiedersehens, als wir durch die überfüllte Innenstadt liefen. Links und rechts von uns befanden sich unzählige Läden, in denen es vor Kunden nur so wimmelte. Besonders auffiel, dass die Frauen in der Stadt fast ausschließlich Kleider getragen haben und danach richtete sich auch die Mode. Bonbonfarbene Kleider und seltsame Hippi- Bänder schienen Kult zu sein. Die etwas gewöhnungsbedürftige Kulterscheinung der Haarbänder, die man quer über die Stirn trug, und die wir lieblich „Fat-Head- Bänder“ nannten, verbuchten bei uns allerdings weniger Erfolg.
Was erstaunlicher Weise in Sydney an uns vorbei gegangen sein muss, erlebten wir in Brisbane umso mehr und zwar die Vielfalt in den Food Courts. Asiatische Köstlichkeiten, Fast Food aller Art bis hin zu fruchtigen Erfrischungen, uns wurde einfach alles geboten wie in einem Schlaraffenland.
Neben einem kleinen Käffchen boten Frauke und ich Betty allerlei Unterhaltung, wir waren quasi die Entertainer und brachten Betty abwechselnd vom Bedauern ins Lachen aufgrund unserer Storys über die Hostelerfahrungen.
Betty fühlte sich pudelwohl, sie ist per Lift nach Brisbane gefahren und hat auf dem Weg dort hin eine Party nach der anderen mitgenommen und wenn mal keine Disko nach ihrem Namen schrie, schmiss sie selbst gern mal ihre eigene Partyrunde. Neidisch lauschten wir Bettys Erzählungen und waren auf ihr Hostel gespannt, da dies nicht weit von der Fußgängerzone entfernt sein sollte, entschieden wir uns selbst kurz rüber zu laufen um uns einen Einblick zu verschaffen.
Natürlich war Betty`s Hostel um Längen besser als das unsere, aber dies zu überbieten war auch nicht schwer. Nach einem kurzen Schnack mit dem freundlichen Rezeptionspersonal wussten wir auch endlich in was für einem Viertel wir uns überhaupt befanden.
Valley Veranda, war ein Hostel in dem Stadtteil Valley und der gehörte zu den kriminellsten in Brisbane. Es war eine der übelsten Partygegenden in denen jährlich unzählige Menschen ausgeraubt, verprügelt oder missbraucht werden auf offener Straße, so sagte man es uns zumindest.
Mit großen Kulleraugen standen wir vor dem Rezeptionisten, der sich ein Grinsen nicht verkneifen konnte, aber gleichzeitig beteuerte, dass das was er sagte Hand und Fuß habe. So ließen wir uns dies an dem Tag auch noch (unabhängig von den anderen Personen) durch einige andere Leute bestätigen.
Klasse. Unseren Eltern erzählten wir von diesen News mal am besten erst mal gar nichts. Die Situation war nämlich schon schlimm genug. Auch nicht besser wurde es durch den ausdrücklichen Rat, des Personals von Betty`s Hostel, dass wir abends nie allein durch das Viertel laufen sollten.
Nach den Schockmeldungen die uns wieder mal alt aussehen ließen mit unserem Glücksgriff (was die Wahl der Hostels betraf) beschlossen wir schnellst möglich die Lokation zu wechseln, sprich in dasselbe Hostel einzuchecken indem Betty bereits nächtigte.
Ein Bonus der noch hinzukommen sollte, war nicht nur die gute Lage und Bettys Anwesenheit, sondern auch ein Job- Club, der uns gegen einen kleinen Vermittlungspreis von 30$ einen Job besorgen würde.
Grob zusammengefasst: Die Stadt war gleich um die Ecke, der Coles auch und das Hostel hatte eine Jobvermittlung. Hinzu kam, dass die Zimmer bei einer ersten vorsorglichen Besichtigung von Frauke und mir einen recht ordentlichen Eindruck bei uns hinterließen.
Irgendetwas musste faul an der Sache sein. Das dicke Ende sollte nicht lange auf sich warten…

New South Wales
Brisbane
