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Australien Farm

Schwund gibt`s überall!?

Die ersten Tage auf der Farm lagen hinter uns, scheinbar lief alles gut. Zumindest hatten wir keinerlei Probleme mit den Herren der Schöpfung. Alle waren sehr nett und zuvorkommend, abends haben wir in aller Regelmäßigkeit zusammen gegessen und am Nachmittag wurden Frauke und ich uns selbst überlassen. Dass war vielleicht bei der Situation, die ich im Folgenden beschreibe, der Fehler.

Von 23 Tieren haben wir nämlich an einem Tag original sieben verloren.

Wie sich das abgespielt hat, ist mal wieder eine Verkettung dummer Zufälle, wobei es eigentlich nur mit unserer eigenen Blödheit zu tun hatte.

Wie jeden Morgen haben wir uns den Wecker gestellt, sind aufgestanden und haben uns als erstes um die Hunde gekümmert, nachdem wir den Rasensprenger angestellt haben. Während wir das Futter für die Hunde holen wollten, bzw. es auf die vier Fressnäpfe verteilten und die Hunde untereinander herumtollten, lief Frauke schon mal zum Hühnerstall um diesen zu wässern und ebenfalls die Tiere zu füttern.

Alles lief nach Plan...nur der war beschissen!

Natürlich kam es so wie es kommen musste, nach einiger Zeit sind die Hunde vom Spielen nämlich einfach nicht mehr wiedergekommen. Gelassen sind Frauke und ich durch die Gegend gelaufen, zuerst zum Billabong, dann ein Stückchen von der Farm runter, bis wir uns mit großen Augen anguckten und zu den Hühnern rannten.

Und siehe da, die Hunde haben die Hühner gerissen.
Schnell musste ich die Hühner, die total aufgescheucht und wirr durch die halbe Wüste rannten, in den Käfig zurück befördern. Frauke versuchte währenddessen die Hunde beisammen zuhalten. Nach einer halben Stunde haben wir dann das Desaster halbwegs beseitigen können. Schnell fütterten wir noch die anderen Tiere und wässerten die Käfige, um dann mit Entsetzen festzustellen, dass zwei der Hühner fehlten.

Blitzschnell hechteten wir wieder zurück zum Hundezwinger und fanden tatsächlich ein reglos im Zwinger liegendes Huhn. Auf der einen Seite waren wir froh das verdammte Hühnchen wieder gefunden zu haben, nur der Zustand entsprach nicht ganz unseren Erwartungen. Nachdem ich das Ganze etwas belächelt habe sprang ich in den Zwinger, um die Hunde von weiteren Spielereien mit dem halbtoten Tier abzuhalten.

Frauke bemerkte dabei, dass sich das Huhn wohl nur vorübergehend tot gestellt hat. Ich hielt die Hunde fern, suchte gleichzeitig irgendetwas um das bereits blutende Huhn aus dem Zwinger zu holen und gleichzeitig Frauke zu beruhigen, die die Situation alles andere als lustig fand.

Derweil war mir das Lachen auch vergangen und ich hoffte nur noch das Huhn lebend aus dem Käfig zubekommen. Mit einem alten Topf, den ich über das fast federlose Tier stülpte, beförderte ich dieses aus dem Käfig und hoffte weiterhin dass es lebendig sei.

In der Minute in der Frauke und ich überlegten wie wir diese dumme Tat, also Hühner und Hunde zusammen raus zu lassen wohl am besten vertuschen könnten, verging sich auch schon die Katze an dem Opfer, welches immer noch reglos im Topf hing.

Wir beschlossen zuerst das Huhn im Billabong zu versenken, doch die Cowboys angelten zu oft, als dass wir dies tun könnten. Am Ende würden sie noch ihr eigenes Huhn aus dem Fluss angeln.

Unerwartetes geschah- das Huhn bewegte sich, zwar sah es etwas mitgenommen aus, aber es lebte. Immerhin.

Wir legten es zurück zu den anderen Hühnern, die ebenfalls völlig erschöpft von der Hetzjagd der Hunde im Hühnerstall schlummerten.

Dennoch fehlte immer noch ein Huhn, und zwar genau das, welches in zwei Käfigen eingeschlossen war. Super Sache, war wohl nichts mit „doppelt hält besser“.

Okay, bevor wir erneut planlos nach dem Kücken suchten, zählten wir lieber alle Hühner noch einmal durch. Mit dem Halbtoten waren es 11, sollten aber 13 sein.

Das Kücken war verschwunden, es fehlte aber dennoch eins. ..
Ein grausiger Fund tat sich auf, als wir das Kücken suchten. Der Schauplatz der Schandtat; Der Schweinekäfig.

Bei der Fütterung der Schweine muss sich wohl eines der Hühner (was öfters mal vorkommt) zu diesen in den Käfig verirrt haben, um etwas von deren Trockenfutter abzuzwacken. Dabei, so denken Frauke und ich, muss eines der scheinbar kannibalischen Schweine dem Huhn den Kopf abgebissen haben.

Eine Tat der Verzweiflung, weil den Schweinen ihr Futter nicht genügte? Man weiß es nicht!

Anfangs, als Frauke das vermeidlich lebendige Huhn fand, sah es so aus als würde dieses lediglich den Kopf in den Sand stecken. Die Realität war allerdings eine andere.
Der Kopf wurde dem Huhn knallhart abgebissen und zwar von einem der Schweine.

Wieder stellte sich die Frage wohin mit dem leblosen Körper?

Frauke und ich hatten lediglich die Aufgabe auf ein paar Tiere aufzupassen und haben selbst das nicht geschissen bekommen. Also versuchten wir erneut alles zu vertuschen, indem wir das Tier einfach im Käfig der Schweine zurückließen, als wenn nichts gewesen wäre.
Mit viel Glück würden die Schweine den Rest des Körpers auch noch fressen und wir hätten ein gelöstes Problem, vorerst zumindest.

Da nun alle Hühner weggesperrt waren und die anderen die fehlten scheinbar umgekommen waren, entschieden wir uns die Hunde wieder raus zu lassen, da diese schließlich noch den nötigen Auslauf brauchten. Passieren konnte nichts mehr, so dachten wir!

Eine gefühlte Minute haben wir sie dann jedoch aus den Augen gelassen und siehe da die nächste Katastrophe: Sie sind weggelaufen, und zwar alle.

Alle vier Hunde waren nun wie vom Erdboden verschluckt. Keine Reaktion auf unser Rufen, keine Spur, kein nichts.

Geil, sieben Tiere an einem Tag, uns fehlte nur noch, dass die Schweine durch die Wüste rennen würden.

Total genervt von dem ganzen Schlamassel, machten wir uns an die Beseitigung dieser kleineren Problemchen, denn das Fehlen der Hunde würde nicht einfach so untergehen wie das Fehlen eines Hühnchens.

Mit T- Shirt und Shorts bekleidet liefen wir die ganze Farm ab, wieder und wieder riefen wir die Namen der Hunde, von denen wir klugerweise auch nur einen kannten.

Wir beschlossen auch die andere Seite des Billabongs nach ihnen abzusuchen, da die Hunde manchmal in dem Fluss badeten und dann die Seite wechselten. Gesagt, getan.

Zu meinem Erstaunen stieg Frauke schnurstracks und ohne ein Wort zu sagen in das kleine silberfarbene Schiffchen am Fluss und fing an zu rudern. Gescheitert ist die Aktion nur, als sie versuchte sich aus dem wackelnden Boot zu entfernen. Mit zitternden Beinen, weil sie das Gleichgewicht halten musste, stieg sie am anderen Ufer aus, während ich mich noch im Boot befand und rutschte ab.

Frauke schmierte nur so am Ufer entlang und ließ ein lautes „ach leck mich doch am Arsch“ erklingen, als sie mit einem Fuß im Matsch landete. Ich konnte nicht mehr, die Situation war zu beschissen, als dass ich sie ernst nehmen sollte.

Glücklicherweise lachte Frauke jedoch mit und wir zogen gemeinsam durch die Wüste, sagen dabei das Lied „wie eine fata morgana“.

Frauke sang das alte Lied an und ich fügte meinen Teil hinzu, wir guckten uns an und lachten erneut, weil die Sache einfach zu geil war. Zwei Dummbatzen, taperten durch die Wüste, sagen alte Lieder und suchten vier reinrassige Hunde.

Tatsächlich sahen wir ab und an eine Fata Morgana, die Hitze war überwältigend in der Wüste und dass auch noch in der Mittagssonne. Hier herrschten Spitzentemperaturen von 47 Grad. Letztlich zogen Frauke und ich uns sogar die T- Shits aus und schlenderten in BH und Shorts durch die Gegend, damit wir die Shirts als Kopfbedeckung tragen konnten.

Zugegeben, wir haben uns ziemlich verlaufen und die Fliegen, die ständig in unser Gesicht flogen oder sich an unseren Körpern festsetzten, nervten ebenfalls.

Wir haben viel Zeit geopfert um die Hunde zu suchen, sage und schreibe vier Stunden. Vergebens.

Der Tag war gelaufen, wir einen „Headache“ reicher und um vier Hunde ärmer.
Die Stunde der Beichte war eingetroffen- wir mussten den Cowboys gestehen, was wir wieder für Unfug angestellt haben. Wir hatten ein wenig Angst, denn die Hunde waren Debbys Ein und Alles.

Wir waren wirklich verzweifelt, wussten nicht was die Konsequenzen waren oder wie die Männer reagieren würden. Am liebsten würden wir in das nächste Auto steigen und die Zelte hier wieder abbrechen. Aber diesmal befanden wir uns in Mitten der Wüste und hatten nicht die Wahl. Vorerst verstecken wir uns in einem der leer stehenden Bungalows um unsere Gedanken zusammenzufassen und quasi über unser Handeln nachzudenken.


Es gab jedoch nichts was uns hätte helfen können und irgendwann, spätestens am Abend würden wir auffliegen. Frauke war völlig aufgelöst und den Tränen nahe. Ich wusste zwar keinen Rat, aber Fehler sind schließlich menschlich und ich hatte außerdem das Gefühl wir würden noch einmal glimpflich davon kommen.

Wir beichteten alles Rodger, als wir ihn bei den Viehweiden besuchten, seiner täglichen Arbeitsstelle. Seine Reaktion war jedoch sehr überraschend, denn er fing an zu lachen.

Entgegen all unsern Ängsten er würde uns einen Kopf kürzer machen oder uns zwingen weiter nach den Hunden zu suchen, entgegnete er uns lässig, dass die Hunde öfters mal wegrennen würden.   

Er sagte sogar, dass er fast schon glücklich wäre, diese „scheiß Tölen“ los zu sein.

Puuuh- wir waren wirklich erleichtert. Selbstverständlich haben wir in den spätern Nachmittagsstunden noch mal nach den Tieren geguckt, jedoch ohne Erfolg.

Während Frauke unter starken Kopfschmerzen leidend im Bett hing und offensichtlich Opfer eines Sonnenstichs geworden ist, suchte ich auf dem Quart mit den Männern an meiner Seite noch mal alles nach den Hunden ab.

Später, nach dem Essen, als Frauke und ich uns bereits bettfertig gemacht haben, kamen die Cowboys in unser Zimmer mit der freudigen Botschaft die Hunde seien zurückgekehrt.

Super!
Der Tag war doch wieder gerettet und das Schlummerland konnte uns nun empfangen.