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Arbeiten in Sydney

Erste Arbeitsversuche

Neben dem ganzen Spaß den wir in Sydney hatten, der nicht zuletzt durch unsere kleine Crew entstanden ist, gab es natürlich auch ernüchternde Momente. Hierzu zählte beispielsweise unser tägliches Job- Hunting, welches uns im Endeffekt in den 3,5 Wochen Sydneyaufenthalt pro Kopf locker 25 Doller kostete.

Die unübersichtliche Online- Jobsuche und das Ausdrucken und Kopieren der CV`s (Lebenslauf) kostete uns nicht nur Geld, sondern auch Zeit und Nerven.

Das Resultat war, dass wir am Ende bei mindestens drei Nanny Agenturen angemeldet waren, die unsere Profile als Babysitter im Internet angeboten haben. Das Blamabelste an der ganzen Sache ist nur, dass sich bis zum bitteren Ende keiner bei uns gemeldet hat, obwohl wir die Hoffnung nie aufgegeben haben.

Nicht ein einziger Anruf erreichte uns.

Ich hatte die Sprüche aus Deutschland immer noch in den Ohren: „Kein Problem, ihr werdet schon Arbeit finden da unten,… ihr habt doch Abitur und auch schon erste Joberfahrungen in Deutschland gesammelt. Außerdem sind die da doch alle so no worries und so!“

Pustekuchen, denn die Realität war eine andere, zumal uns das Abitur herzlich wenig brachte. Das Traurige an der Sache ist, dass es am Anfang zumindest den Eindruck bei uns erweckt hat, als hätten die Leute aus den zahlreichen Boutiquen wirkliches Interesse gehabt.

Schließlich waren wir flexible Arbeitskräfte, doch die gleichzeitige Tatsache, dass wir Backpacker waren verbaute uns das vermeidliche Glück. Bevor wir dies alles jedoch herausfanden, verteilten wir munter unsere Bewerbungen weiter, geradezu geblendet von der angeblich lockeren Einstellung der Australier und den lässigen Sprüchen aus Deutschland.

Die Vorgeschichte und der Grund unserer optimistischen Herangehensweise beruht ebenfalls auf dem viel versprechenden Start der ersten vier Tage. Denn in der Fußgängerzone der Stadt bekamen wir Flyer mit dem einladenden Aufdruck: “Want a job?“ in die Hand gedrückt. So simpel wie auf dem Zettel geworben wurde war es selbstverständlich nicht in der Umsetzung. Mittels einer Nummer, die auf dem Flyer stand, sollten wir ein „Trainig Day“ vereinbaren.

Leichter gesagt, als getan. Den ersten Vorstellungstermin haben wir aufgrund unseres schlechten Orientierungssinnes und einer kleinen Trödelei, weil wir zu dritt waren, verpasst. Lediglich fünf Minuten kamen  wir zu spät, doch diese sollten uns den Job kosten. Die Ausrede; wir hätten den richtigen Fahrstuhl nicht sofort gefunden, hätten wir uns am Ende auch klemmen können.

Fazit: Viel Wirbel um nichts und ein zweiter Termin für ein späteres Jobinterview mit Training Day an einem anderen Wochentag. Naiv wie wir waren, hatten wir jedoch gewisse Ansprüche an den ersten Job In Down Under und waren noch nicht ganz auf dem Niveau der totalen Verzweiflung angekommen. Zumal wir zu diesem Zeitpunkt noch Geld hatten, um fürs erste über die Runden zu kommen.

Frauke und ich haben beide schon einmal im Einzelhandel gearbeitet und wollten folgedessen diesem Bereich anfangs auch treu bleiben. Mit hoher Erwartungshaltung und guter Hoffnung versuchten wir (vorzugsweise) Jobs bei Mango, Esprit, Sportgirl oder Counrty Road zu bekommen. Es blieb jedoch bei dem Versuch. In der zweiten Woche verloren dann auch wir unsere Ansprüche und bewarben uns sogar als Putzkraft bei McDonalds, doch auch dies sollte nicht von Erfolg gekrönt sein.

Bis zu dem Tag, an dem wir am schwarzen Brett unseres Hostels einen Handzettel mit der Überschrift: „Backpacker Babes Wanted!“ entdeckt haben. Egal wer diesen Flyer aufgehängt hat, rief geradezu nach uns. Wir griffen uns sofort das Handy und vereinbarten problemlos ein Vorstellungstermin für den darauf folgenden Tag um 10 am.

Der Treffpunkt war ein Fitness Club im neunten Level eines Shopping Centers, namens „Definition Health Care“. Begrüßt wurden wir von einer Frau, die wenn sie keine Ohren gehabt hätte definitiv im Kreis lachen würde. Völlig hyperaktiv sprang sie morgens um 10 am hinterm Tresen des Fitness Clubs herum.

Möglicherweise wollte sie versuchen uns mit ihrem Herumgetänzel und gespielten Gelache, sowie der überheblich guten Laune animieren oder motivieren mitzumachen. Unsere Freude hielt sich allerdings in Grenzen und wir versuchen die Sache ernst und professionell aufzunehmen, sprich nicht zu lachen.

Da wir optimaler Weise schnellstmöglich einen Job haben wollten zogen wir bei der ganze Show halbwegs mit. Nach kurzer Vorstellrunde und dem Auswendiglernen einiger Frasen, wurde uns auch schon gleich ein Sportoutfit in die Hand gedrückt. Zu allem Übel bekam ich (weil ich angeblich die perfekte Kopfform gehabt hab) eine Capi mit dem Logo des Clubs, mit der ich dann endgültig beschissen aussah.

Auf unserem Sportkostüm standen natürlich Werbeslogans für den Fitness Club und in unserer Hand hielten wir Flyer und kleine Formulare sowie einen Kuli. Aufgabe war es wie ein HB- Männchen im Kreis zu springen, um von möglichst vielen potentiellen Kunden die Anschrift und die Telefonnummer zu ergattern.

Als wäre das alles nicht schon schlimm genug gewesen, wurden wir direkt ins kalte Wasser geworfen und noch zudem getrennt von einander in der Stadt verteilt. Während Frauke noch eine relativ ruhige Stelle in der Nähe von China Town erwischt hatte, habe ich mal wieder richtig ins Klo gegriffen und stand direkt an der Central Station.

Fast schon begeistert stand ich fest verwurzelt an dem mir zugewiesenen Platz. Jedes Mal, wenn die Ampeln an der Mega- Kreuzung grün wurden, strömten riesige Menschenmassen auf mich zu und ich war völlig überfordert. Nach einiger Zeit habe ich es dann wenigstens geschafft meine auswendig gelernten Frasen runter zurattern, doch zugehört hat niemand. Weil ich meine Sache gut machen wollte und mir der Job ernst war, bemühte ich mich stets das Beste zu geben.

Mit einem Mal hatte es sogar den Anschein als würde das Blatt sich wenden, denn plötzlich kamen die Leute zu mir. Das Spiel drehte sich allerdings und das nicht zu meinen Gunsten. Mein Job war es den Leuten ihre Nummern abzuschwatzen, doch stattdessen kamen scheinbar von mir angetane Männer auf mich zu und fragten mich nach meiner privaten Nummer oder einer heißen Trainingseinheit.

Völlig verdutzt von so viel Dreistigkeit lehnte ich diese Angebote oder auch Forderungen ab und versuchte mich nach einigen Rückschlägen wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren, bis die nächste Katastrophe auf mich zu steuerte.

Die Polizei war im Anmarsch und verscheuchte mich aufgrund nicht vorhandener Standrechte und Werberechte von meinem Platz. Super Sache, denn mittlerweile waren bereits zwei Stunden vergangen und ich hab exakt vier Nummern erhalten. Bedingung waren zwar 10 pro Stunde, aber mir war das alles bereits zu diesem Zeitpunkt zu viel.

Nicht nur die Arbeit an sich war miserabel, sondern auch die Bedingungen und die Bezahlung, denn es handelte sich um Schwarzarbeit für die wir 10 $ die Stunde bekommen sollten und dass nur wenn wir die gewünschte Menge an Nummern erbrachten.

Weit von diesem Ziel entfernt spazierte ich zurück zu Frauke, in der Hoffnung sie würde noch an derselben Stelle stehen. Tatsächlich, mit aggressivem Gesichtsausdruck stand sie in der Ecke an der Wand gelehnt. Sie erweckte nicht den Anschein als würde sie arbeiten, aber immerhin stand sie noch da wo ich sie zurücklassen musste.

Einstimmig und ohne wenn und aber hakten wir die Sache ab und liefen erleichtert über unseren beidseitigen Misserfolg und der gleichzeitigen Erleichterung, dass wir die Meinung teilten zurück zum Fitness Club. Ein kurzes Stöhnen, ein kleines Grinsen und 20 $ später war der ganze Spuk vorbei und wir haben die ersten zwei Stunden in Australien gearbeitet.